Männerbücher
Robert F. Keller, der als Psychologe
regelmässig in meiner Praxis arbeitet und den viele meiner Klientinnen und
Klienten von Seminaren kennen, hat sich der aktuellen Männerliteratur
angenommen. Hier folgt seine Liste von fünf „erlesenen“ Werken, die ich auch
Frauen empfehlen kann.
Lebert, Andreas & Lebert, Stephan (2007). Anleitung zum Männlichsein.
Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag.
Die beiden Brüder Andreas und Stephan Lebert erarbeiten 19 Anleitungen zum
Männlichsein. Der Stoff stammt aus Alltagsbeobachtungen, Männergeschichten,
Vater- und Sohn-Erlebnissen und Filmen. Es sind wuchtige und bleibende Bilder,
die die beiden Autoren zusammengetragen haben. Etwa die Begegnung eines
sechsjährigen Nachwuchs-Fussballspielers mit dem grossen Franz Beckenbauer, der
ihm die Angst nimmt, indem er ihm einfühlsam zuredet. Manchmal raubeinig und
grob, manchmal feinfühlig und liebevoll, malen die beiden ein Bild der Nöte und
Herausforderungen des Mannes in der heutigen Gesellschaft. Sie fordern uns
Männer heraus, wieder mehr Kontur zu bekommen, für eine Sache einzustehen und
männliche Würde wiederzuerlangen.
Terzani, Tiziano (2007). Das Ende ist mein Anfang. München: Deutsche
Verlags-Anstalt.
Der langjährige Asien-Korrespondent des „Spiegels“, Tiziano Terzani, hat
aufgrund seiner Krebserkrankung nur noch wenige Wochen zu leben. Er bittet
seinen Sohn zu sich und erzählt ihm sein abenteuerliches Leben, von seinem
politisch engagierten Schreiben zur Zeit des Vietnamkrieges, von der grossen
Liebe zu seiner Frau, von seiner Verzweiflung angesichts des japanischen
Strebens, den Westen wirtschaftlich zu überflügeln, bis zu seinem Rückzug in den
Himalaya zu einem tibetischen Meister. Seine lebenslange Auslandtätigkeit sei
eigentlich eine Flucht gewesen vor der dominanten Mutter, sagt Terzani etwa auch. Mit grosser Ehrlichkeit und Liebe schaut er auf sein Leben zurück. Wie er
zuletzt im Kreise seiner Liebsten heiter und achtsam dem Tod entgegen schreitet,
hat etwas sehr Berührendes.
Deida, David (2006). Der Weg des wahren Mannes. Bielefeld: Kamphausen.
Ein starkes Stück! Deida redet geradeheraus, er rüttelt auf, spricht Themen
an in der Beziehung zwischen Mann und Frau, die sonst oft im Dunkeln bleiben.
Ein Kapitel ist vielfach nur eine bis zwei Seiten lang, aber derart komprimiert,
dass es langsam verdaut werden will. Viele Überraschungen warten auf den Leser.
Deida schreibt beispielsweise, dass Frauen zwar den Eindruck erwecken, sie
wollten das Wichtigste sein im Leben eines Mannes. Sind sie es aber, fühlen sie
sich erdrückt und glauben, dass er seiner eigenen Entwicklung und seinem
höchsten Ziel nicht genug Aufmerksamkeit widmet. Für mich ein sehr nährendes,
wohlwollendes Buch, ein Wegbegleiter.
Gray, John (1992). Männer sind anders. Frauen auch. München: Wilhelm
Goldmann.
Es tut gut, wie Gray die unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen, Bedürfnisse
und Denkarten von Männern und Frauen beschreibt - und dies ohne jegliches
Vorurteil! An vielen Orten stellte sich bei mir ein Gefühl von Erleichterung
ein, so als würde jemand Verhaltensweisen, die mir suspekt waren (z. B. das
Zurückziehen in die „Höhle“), als ganz normal darstellen. Dass es nicht darum
geht, die Unterschiede zu nivellieren oder zu harmonisieren, sondern eben die
Verschiedenheit zu erkennen und bei den eigenen Handlungen zu beachten, ist eine
der Kernaussagen dieses Buches.
Bly, Robert (1991). Eisenhans. München: Kindler.
Mittlerweile ein Klassiker. Aus meiner Sicht eines der stärksten Bücher über den
männlichen Entwicklungsweg, die männliche Initiation. Ein Buch zum Eintrinken,
zum Durchkneten. Ich kenne einen Mann, der oft erst nach Monaten wieder ein
neues Kapitel liest, wenn in ihm das Gefühl herangereift ist, dass es nun
weitergeht. Bly entwirft Szenen wie diejenige mit dem Schlüssel unter dem Kissen
der Mutter, mit den goldenen Haaren des Jugendlichen, über den Weg der Asche,
über den Garten des Hermes oder über den Besuch beim König, welche tief
einsinken und welche man nie mehr vergisst.
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